Warum Offener Unterricht mit Methode?

Warum Offener Unterricht mit Methode?


Individualisiertes Lernen ist von großer Wichtigkeit:
Individualisiertes Lernen ist bereits in weiten Teilen Europas ein fester Bestandteil der Bildungspläne. Dies geht mitunter so weit, dass individuelle Lehr- und Lernmethoden juristisch einklagbar sind (beispielsweise in NRW der Fall). Diese Entwicklung geschieht aus gutem Grunde. Individuelles Lernen und individuelle Förderung sind in der heterogenen Vielfalt und Unterschiedlichkeit unserer heutigen Gesellschaft von überaus großer Wichtigkeit zur Sicherstellung von Chancengleichheit in der Ausbildung für ein jedes unserer Kinder.

Offener Unterricht mit Methode macht individualisiertes Lernen möglich:
Ein effektives und gut funktionierendes Individualisiertes Lernen wird organisatorisch nur durch die Öffnung von Unterrichtsstrukturen und -prozessen sowie der Schwerpunktverlagerung der Lehrerrolle vom Lerndiktator zum Lernbegleiter möglich gemacht. Ein individualisierter Frontalunterricht ist nicht durchführbar. Um jedem Kind individuelles Lernen zu ermöglichen und eine individuelle Förderung zu bieten ist es notwendig, einen Weg einzuschlagen, der von der zentralen Gleichschrittigkeit im Unterricht wegführt und stattdessen Freiräume für das eigenaktive Lernen schafft.

Offener Unterricht mit Methode macht Offenen Unterricht handhabbar:
Offener Unterricht in seiner üblichen Form ist nicht klar definiert. Es gibt keine einheitliche Methodik. Seine Qualität hängt stark von der Qualifikation und der Persönlichkeit der Lehrkraft ab. Offener Unterricht mit Methode füllt den Begriff des Offenen Lernens mit methodischen Inhalten und gibt ihm einen strukturierten Rahmen mit weitestgehend sehr freizügigen jedoch klar formulierten Kriterien. Durch die Konzipierung von Lernarrangements kreiert die Lehrkraft Umgebungen für die Kinder, in denen sie sich frei entfalten können. Der Lehrkraft wird somit auch die Rolle eines Lernumgebungsdesigners zu Teil. Man muss keine virtuose und naturtalentierte Lehrerpersönlichkeit mit einem gottgegebenen Gespür für das Leiten einer offenen Lernkultur sein, um diesen Unterricht durchzuführen. Für offenen Unterricht mit einem konzeptionell-methodischen Rahmen ist in erster Linie Engagement und Motivation erforderlich.

Offener Unterricht mit Methode bringt offene und individualisierte Lernformen in jedes Klassenzimmer:
Offener Unterricht in seiner klassischen Form bezieht sich insbesondere auf die personale, seelische und soziale Entwicklung des Kindes. Gezielte fachliche und handlungsbezogene Kompetenzförderung stehen eher am Rande der Aufmerksamkeit. In diesen Bereichen wird sich stark auf die Autodidaktik im Gesamtprozess verlassen. Die möglichst uneingschränkte Autonomie des Kindes hat höchste Priorität. Es gibt kein "Sollen" und keine Erwartungen, die an das Kind gestellt werden (Beispiel: Wenn ein Kind über beispielsweise Wochen oder Monate hinweg gar nicht schreiben möchte, dann muss es dies auch nicht tun). Ohne eine qualitative Wertung abzugeben soll an dieser Stelle festgestellt werden, dass sich diese Form der Unterrichtspraxis an klassisch-staatlichen Schulen (Nicht-Reformschulen) und vor Eltern nur schwer begründen und rechtfertigen lässt. Das Argument, dass das Kind sich selbst am besten ausbildet, reicht oftmals nicht für eine glaubwürdige Begründung aus. Somit kann offener Unterricht in einem Großteil unserer Schulen nur schwer Einzug finden. Viele Lehrerinnen und Lehrer sehen aus diesen Gründen von offenen Unterrichtsformen ab. Offener Unterricht mit Methode findet hier einen Mittelweg. Er vereint die Prinzipien vom offenen Lernen im klassischen Sinne mit der intensiven Berücksichtigung von Fach-, Handlungs- und Methodenkompetenzen und ihrer gezielten individuellen Förderung. Er ist weiterhin Leistungsorientiert. Der Begriff der "Leistung" oder "Leistungserziehung" wird nicht negativ bewertet. Offener Unterricht mit Methode definiert gemeinsam mit dem Kind eine individuelle Leistungserwartung und fordert diese dann auch ein. Somit gibt es auch eine individuelle "Soll-Erwartung" die an die Kinder gestellt wird, bzw. die sie an sich selbst stellen. Die Sicherstellung von Lernfortschritt und die optimale Nutzung schulischer Lernzeit erhalten eine große Bedeutung. Diese Kombination des Offenen Unterrichts mit Fach- und Leistungsorientierung macht ihn auch an Nicht-Reformschulen gut durchführbar. So können offene und individualisierte Lernformen in allen Klassenzimmern und allen Schulen Einzug finden.

Er berücksichtigt den persönlichen Lernstil des Kindes:
Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere aus der Neurodidaktik, belegen nachhaltig, dass Lernen kein Prozess der einfachen Übernahme existierenden Wissens ist. Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen können nicht einfach von einem Individuum zum nächsten weitergereicht werden. Ein bloßes Abarbeiten von Schulstoff nach dem Prinzip "Kopf auf - Stoff rein - Kopf wieder zu" funktioniert nur unzureichend und produziert lediglich träges, nicht nachhaltiges Wissen. Gemeint ist ein Wissen, welches den Kindern zwar theoretisch (möglicherweise in direkten Abfrage- und Prüfungssituationen) zur Verfügung steht, aber von ihnen nicht auf reale Situationen transferiert werden kann.
Lernen ist viel mehr ein Konstruktionsprozess, der Lohn für die eigenaktive Auseinandersetzung mit einem Sachverhalt. Lernen bedeutet sich auf etwas einlassen und sich hingeben. Und dabei lernt jedes Kind anders. Es verknüpft neue Erkenntnisse mit dem eigenen Vorwissen und erschließt sich so die Welt auf eine ganz persönliche Art und Weise.
Offener Unterricht mit Methode fordert das eigenaktive, selbstständige und forschend-entdeckende Lernen der Kinder heraus. Er lässt dabei Freiräume für die unterschiedlichen Lernstile, Lerngeschwindigkeiten und persönlichen Interessen der Kinder, woraus eine intrinsische, von den Kindern ausgehende, Lernmotivation entsteht und die Kinder das Lernen als für sich selbst bedeutsam erfahren.

Kinder lernen das Lernen:
Im Mittelpunkt des Konzeptes steht nicht die Vermittlung von thematischen Inhalten, sondern vielmehr die Hilfe beim Entwickeln der eigenen Lernpersönlichkeit. Metakompetenzen des Lernens, deren Bewusstmachung und das stetig selbstreflektierte Arbeiten am eigenen Lernprozess sind von größter Bedeutung. Als kompetente "Selbstlerner" können sich die Kinder thematische Inhalte eigenaktiv erschließen.

Er bereitet Kinder auf veränderte Gesellschaftsbedingungen vor:
Vor 100 Jahren konnte man noch mit großer Genauigkeit sagen, was aus Kindern einmal werden würde und welches Rüstzeug die Schule ihnen dafür bereitstellen musste. In der heutigen globalisierten Gesellschaft ist dieses undenkbar geworden. Durch die gesellschaftliche Vielfalt lassen sich nur schwer schulische Lerninhalte eingrenzen. Der schnelle Gesellschaftswandel ist lässt uns im Unklaren darüber, ob heute angebotene Lerninhalte auch noch in 10 Jahren von Wichtigkeit für unsere Kinder sein werden. Daher muss die Schule umdenken und den Kindern weniger klar definierten Stoff unterbreiten, sondern ihnen helfen, zeitlose Kompetenzen zu entwickeln, die sie zur Bewältigung des eigenen, ganz individuell verlaufenden Lebens befähigen. Der neue Bildungsauftrag heißt: Lebensbewältigungskompetenz.



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